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Wege aus der Angst – Teil 1

erstellt am: 21.08.2017 | von: Brigitte Machus | Kategorie(n): Blog, Stress

Es sind unruhige Zeiten, das ist nicht zu übersehen. Es häufen sich Attentate, gegen die es keinen Schutz gibt, und Unwetterkatastrophen, die ebenfalls überall über uns herein brechen können. Menschliche Gewalten und Naturgewalten, die uns Angst machen können.

Eine App auf dem Handy ist schon fast zur Pflicht geworden, um immer wieder einen Blick auf die heranziehenden Regen- oder Gewitterwolken zu werfen oder die Unwetterwarnungen abzurufen.

Gegen die Attentate hilft keine App, sie sind nicht vorhersehbar und können ebenfalls überall über uns herein brechen, meist da, wo wir uns völlig sicher und unbeschwert fühlen. Darin liegt ja auch die Absicht, unseren Lebensstil und unsere Freiheit ins Herz zu treffen.

Ich finde es berührend und gleichzeitig ermutigend, wie Menschen darauf reagieren. So wie jetzt in Barcelona: sie bleiben nicht zu Hause, sondern gehen weiter auf die Straße, halten rote Rosen als Symbol für die Liebe hoch, spielen John Lennons Lied für den Frieden und skandieren: „Ich habe keine Angst.“

Sicher werden auch sie wie wir alle immer wieder Angst haben. Die Frage ist nur: was füttern wir? Lassen wir uns von der Angst beherrschen oder sind wir bereit, für unsere Freiheit einzustehen? Zur Zeit kommt vieles auf den Prüfstand, viel Unrechtes wird öffentlich gemacht und ist sichtbar geworden. Es ist wichtig, sich nicht in sein Kämmerchen zurück zu ziehen, sondern Stellung zu beziehen für das, was wir wirklich wollen.

Jeder kann etwas bewirken. Das muß nicht gleich die Teilnahme an einer Demonstration sein (kann es aber). Es kann auch eine Unterschrift unter eine der vielen Petitionen sein oder die Gründung einer Initiative, wie es sie zum Beispiel gegen das Wegwerfen von Lebensmitteln gibt. Oder es kann ein unterstützendes und Mut machendes Gespräch mit einem Menschen sein.

Der erste Schritt dafür ist die eigene Bewußtseinsveränderung, ein Sich-Öffnen für die Welt, ohne sie gleich als feindlich anzusehen und sich abzuschotten. Vor ein paar Tagen lief ein interessanter Terra X Film über unsere Vorfahren, die Affen bzw. die ersten Menschen: https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x/die-ersten-menschen-vom-wald-in-die-savanne-100.html. 

Diese Zeit war voll von Bedrohungen und Feinden, es hieß, ständig achtsam zu sein. Unser ältester Gehirnteil ist das Stammhirn. Erkenntnisse der Hirnforschung zeigen, daß genau in diesem Areal die Entscheidung getroffen wird, ob Annäherung oder Flucht bzw. Liebe oder Angst angebracht sind. Vertrauen und Furcht sind also primäre Gefühle, die es schon sehr früh in unserer Geschichte gegeben hat.

Weil Angst und die daraus resultierende Flucht überlebenswichtig waren, reagiert unser Gehirn immer noch stärker auf die Gefahr als auf die Freude und blendet gute Ereignisse viel schneller aus, nimmt sie oft gar nicht wahr. Wir müssen deswegen unser Gehirn dazu anregen, den Fokus bewußt auf die positiven Dinge zu lenken, die es ja genauso oder sogar noch mehr gibt als das Negative, von dem unsere Nachrichten und Schlagzeilen beherrscht werden.

Unser Gehirn speichert Erfahrungen nicht komplett ab, wie einen Film, sondern es speichert in Teilen und fügt abgespeicherte frühere Erinnerungen dazu. Wir verstärken also die jeweiligen Erfahrungen wie Ängste oder Mißerfolge mit weiteren Ängsten. Auf das alte Angstmuster kommen neue Ängste, und schließlich sehen wir nur noch voller Angst in diese furchterregende und unsichere Welt.

Wir können aber unser Gehirn dazu erziehen, nicht mehr verstärkt auf Angst ausgerichtet zu sein. Denn das, was in unserer Affen-Mensch-Vorgeschichte eine Bedrohung war, ist es heute ja nicht mehr. Wir trinken nicht mehr aus einem Fluss und müssen dabei die Krokodile im Auge behalten, um nicht gefressen zu werden. Und auch heranschleichende Löwen spielen in unserem Alltag keine Rolle mehr.

Wir können den Bedrohungen unserer Zeit nicht durch Vorsicht und Angst ausweichen. Aber wir können unsere Lebensqualität verbessern und unsere Ängste in Schach halten. Wenn wir für das einstehen, was wir wollen, für unsere Freiheit, für unsere Selbstbestimmung, für unser Recht auf freie Meinungsäußerung, dann werden wir uns stärker und lebendiger fühlen.

Und wir gestalten unsere Gegenwart und unsere Zukunft, indem wir uns nicht manipulieren lassen und uns nicht der dunklen, sondern der hellen Seite zuwenden. Wir verändern damit tatsächlich die neuronale Struktur unseres Gehirns, machen uns seine Plastizität zu Nutze und entscheiden, durch welche Brille wir die Welt sehen möchten. Diese Entscheidung liegt allein bei uns.

Du kannst das auf vielerlei Weise aktivieren und unterstützen. Vielleicht magst Du Dir abends vor dem Schlafengehen bewußt machen, für wie vieles Du dankbar sein kannst. Die meisten von uns haben ein Dach über dem Kopf, ein warmes Bett, fließendes kaltes und sogar heißes Wasser, eine Toilette, Heizung, Kleidung, Essen und darüber hinaus jede Menge Luxus.

Und vielleicht magst Du noch einen Schritt weitergehen und Dich fragen, wer an diesem vergangenen Tag etwas getan hat, was in Deinen Augen gut war und Dir aufgefallen ist. Vielleicht hat Dich ein Verkäufer freundlich angelächelt, vielleicht hat Dich jemand an der Kasse vorgelassen. Vielleicht hast Du einfach nur im Vorübergehen einen Blickkontakt mit einem Menschen gehabt, der Dich berührt hat.

Laß diese Erlebnisse in Dir nachklingen, fühle sie und fühle die Wärme, die dadurch entsteht. Deine Zellen nehmen das wahr und reagieren darauf, und Dein Gehirn entwickelt neue und positive Bahnen.

Und dann, als nächsten Schritt, schau nach, was Du an diesem Tag gut gemacht hast. Hast Du bei einem nervigen Kunden die Geduld behalten? Bist Du ruhig geblieben, als Dir die Straßenbahn vor der Nase weggefahren ist? Hast Du liebe- und verständnisvoll mit einem anderen Menschen gesprochen? Fühle auch das, sei wohlwollend und liebevoll mit Dir, und speichere diese positiven Erlebnisse in Deinem Gehirn, damit es später wieder darauf zurückgreifen kann.

Und dann wirst Du am nächsten Morgen wach und begrüßt den neuen Tag, ganz bewußt als Geschenk des Lebens. Spüre die Wohltat Deines warmen kuscheligen Bettes oder des Partners in Deinen Armen. Wenn Du das Bett verläßt, spüre bewußt den Boden unter Deinen Füßen. Gehe unter die Dusche und spüre bewußt das Wasser, das Deinen Körper umspült. Ist es nicht herrlich, das Element Wasser so auf der Haut zu spüren, gereinigt zu werden und sich buchstäblich im Fluss des Lebens zu fühlen?

Diese Übungen, die teilweise aus dem Achtsamkeitstraining kommen, sind sehr wirkungsvoll. Wenn Du sie täglich anwendest, wirst Du merken, daß Du im Laufe der Zeit bewußter wahrnimmst und mehr im Jetzt lebst. Deine Dankbarkeit und Deine Zufriedenheit wachsen, Dein Miteinander wird liebevoller und Angst hat keine Macht mehr über Dich. Du bist zu sehr damit beschäftigt, Positives und Schönes zu sehen und zu verbreiten und damit Dir selbst und Deinem Gehirn eine neue Sichtweise des Lebens anzubieten.

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